Ich hätte nie gedacht, dass Sudoku einmal zu einem so festen Bestandteil meines Alltags werden würde. Angefangen habe ich damit eigentlich aus einem ganz anderen Grund: Ich wollte mein Gehirn trainieren. Sudoku gilt schließlich als eine gute Möglichkeit, logisches Denken, Konzentration und Problemlösungsfähigkeiten zu fördern. Das war meine ursprüngliche Motivation.
Doch je häufiger ich Sudoku gelöst habe, desto mehr habe ich gemerkt, dass es mir noch etwas anderes gibt.
Mittlerweile freue ich mich regelrecht auf den Moment, in dem ich mein Sudokuheft aufschlage. Meistens passiert das vor dem Schlafengehen, während einer Zugfahrt oder direkt nach dem Aufstehen. Es sind diese kleinen Zeitfenster, in denen alles etwas leiser wird und ich mich nur auf mich selbst konzentrieren kann.
Für mich hat Sudoku inzwischen fast etwas Therapeutisches. Während ich Zahlen eintrage und Felder ausschließe, ordnen sich gleichzeitig meine Gedanken. Das Interessante ist, dass mein Gehirn scheinbar genug beschäftigt ist, um zur Ruhe zu kommen, aber nicht so sehr, dass kein Platz mehr für andere Gedanken bleibt. Oft denke ich währenddessen über Dinge nach, die mich gerade beschäftigen, und nicht selten entstehen dabei neue Ideen oder Perspektiven, auf die ich sonst vielleicht nicht gekommen wäre.
In mein Sudokuheft schreibe ich deshalb immer das Datum und eine kleine Notiz. Manchmal halte ich fest, wo ich gerade bin. Manchmal ist es ein spontaner Gedanke. Und manchmal ist es einfach etwas, woran ich seit Tagen nicht aufhören kann zu denken. Wenn ich später durch die Seiten blättere, fühlt sich das fast wie ein kleines Tagebuch an – nur zwischen Zahlenreihen und Logikrätseln.
Natürlich gibt es auch die offensichtlichen Vorteile. Sudoku fordert Konzentration, trainiert das logische Denken und stärkt die Fähigkeit, Muster zu erkennen. Man lernt, geduldig zu bleiben, verschiedene Lösungswege auszuprobieren und Schritt für Schritt voranzukommen. Gerade in einer Zeit, in der vieles schnelllebig ist und unsere Aufmerksamkeit ständig zwischen Bildschirmen, Nachrichten und Benachrichtigungen hin- und herspringt, empfinde ich diese Art der Konzentration als besonders wertvoll.
Trotzdem sind es nicht diese kognitiven Vorteile, die mich immer wieder zum Sudoku zurückbringen. Sie waren der Grund, warum ich angefangen habe. Geblieben bin ich wegen all der anderen Dinge, die ich dabei entdeckt habe: die Ruhe, die Klarheit, die kleinen Gedanken, die plötzlich auftauchen, und das Gefühl, für einen Moment ganz bei mir selbst zu sein.
Vielleicht macht Sudoku nicht jeden glücklich. Mich aber schon.
